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Berufsanerkennungen

Grundsätzlich muss  unterschieden werden zwischen nichtreglementierten (Studien-)Berufen (~ Fall 1) und reglementierten (Studien-)Berufen (~ Fall 2).

Was soll anerkannt werden?

Fall 1: Für nichtreglementierte (Studien-)Berufe gilt: Da für nichtreglementierte Berufe in Deutschland kein berufsspezifisches Anerkennungsverfahren durchgeführt wird, kann die Bewerbung um  entsprechende Stellen auf dem Arbeitsmarkt unmittelbar mit dem ausländischen Abschluss erfolgen. Dies ist der einfache Fall.

Fall 2: Für reglementierte (Studien-)Berufe wie z. B. Krankenschwestern, Ärzte oder Rechtsanwälte gilt: Das Führen einer Berufsbezeichnung an bestimmte Verwaltungsvorschriften gebunden und es muss ein offizielles Anerkennungsverfahren durchlaufen werden. Für die Anerkennung von reglementierten Berufsausbildungen bzw. -abschlüssen finden sich alle Informationen auf www.anerkennung-in-deutschland.de.


Immer eine gute Idee – Beratung beim IQ-Netzwerk Baden-Württemberg

Das IQ Netzwerk Baden-Württemberg und das Integrationsministerium Baden-Württemberg bieten in Stuttgart, Freiburg, Ulm und Mannheim Erstanlaufstellen und Kompetenzzentren zur Beratung bei ausländischen Abschlüssen. Das Angebot richtet sich an Menschen mit ausländischen Abschlüssen als auch Arbeitsmarkteinrichtungen und Migrantenorganisationen. Weitere Informationen finden sich unter:

Über die beiden Webseiten sind auch die entsprechenden Ansprechpartner zu finden.


Wann darf ein Flüchtling arbeiten?
(Nachfolgende Darstellung ist vereinfacht!)

Die Art des Arbeitsmarktzugangs ist immer (!) im Aufenthaltspapier eingetragen.

Es gibt drei Optionen:

  • Erwerbstätigkeit nicht gestattet
  • Erwerbstätigkeit nur nach Zustimmung der Ausländerbehörde gestattet
  • Erwerbstätigkeit gestattet

Für Flüchtlinge, deren Asylverfahren noch läuft gilt: Die ersten 3 Monate nach Einreise ist grundsätzlich keine (!) Beschäftigungsaufnahme gestattet. Nach dem 3. Monat bis Ende des 14. Monats ist vor einer Beschäftigungsaufnahme eine Vorrangprüfung und eine Prüfung der Lohn- und Beschäftigungsbedingungen über die zuständige Ausländerbehörde und ggf. die Agentur für Arbeit erforderlich. Ab dem 15. Aufenthaltsmonat entfällt die Vorrangprüfung. Eine Abstimmung mit der Ausländerbehörde ist weiterhin erforderlich.

Ohne Zustimmung der Ausländerbehörde möglich:

  • Ein-Euro-Job
  • Praktika im Rahmen einer Ausbildung (z. B. Schulpraktika)
  • Praktika im Rahmen von EU geförderten Programmen
  • Praktika im Rahmen von Maßnahmen der Agentur für Arbeit
  • Betriebliche Einstiegsqualifizierung (Achtung: muss aber im Aufenthaltspapier eingetragen werden!)

Nur mit Zustimmung der Ausländerbehörde:

  • FSJ / FÖJ / Bundesfreiwilligendienst
  • Praktika zur Berufsorientierung (Hinweis: Zur „Berufsorientierung“ ist ein Praktikum ohne Einhaltung des Mindestlohngesetzes möglich. Ziel ist in diesem Fall die Vorbereitung bzw. Abklärung einer Ausbildung. In diesem Fall ist aber ein Praktikantenvertrag notwendig. Es gibt kein kostenloses, tageweises Probearbeiten!)
  • Betriebliche Ausbildung (wird im Aufenthaltspapier eingetragen)

Nur mit Zustimmung der Ausländerbehörde und der Agentur für Arbeit:

  • Jede Aufnahme einer bezahlten Beschäftigung

Anerkannte (!) Flüchtlinge haben ab dem Moment der Anerkennung den gleichen Zugang zum Arbeitsmarkt wie Deutsche. In der Aufenthaltserlaubnis ist dann „Erwerbstätigkeit gestattet“ vermerkt.

Was geht grundsätzlich niemals?

  • Aufnahme einer Tätigkeit innerhalb der ersten drei Monate
  • Probearbeiten / Praktika ohne Genehmigung
  • Aufnahme einer Tätigkeit ohne Eintragung im Aufenthaltspapier durch Ausländerbehörde
  • illegale Beschäftigung / Schwarzarbeit

Fallbeispiel: Anerkennung als Ingenieur 

Ausgangssituation: In Syrien hat ein Flüchtling einen Bachelor-Abschluss im Fach „Civil Engineering“ erreicht. Jetzt geht es darum, dieses Studium in Deutschland anzuerkennen. Wie ist die Vorgehensweise?

Wenn der Flüchtling in Deutschland die Berufsbezeichnung „Ingenieur/Ingenieurin“ führen will, muss die Gleichwertigkeit seiner ausländischen Berufsqualifikation mit dem deutschen Abschluss durch die zuständige Stelle festgestellt werden. Das ist ein längerer Prozess und muss typischerweise fallspezifisch persönlich besprochen werden. Dazu sind auch weitere Dokumente erforderlich. WICHTIG: Die Bescheinigung der Gleichwertigkeit ist für die Berufsausübung hilfreich, aber keine zwingende Voraussetzung. Das heißt, der Flüchtling kann sich durchaus als Ingenieur mit ausländischen Qualifikationen auch ohne eine formale Gleichwertigkeitsbescheinigung auf dem Arbeitsmarkt bewerben. Ohne eine Gleichwertigkeitsbescheinigung darf er jedoch nicht die deutsche Berufsbezeichnung „Ingenieur/Ingenieurin“ führen oder benutzen.


Fallbeispiel: Anerkennung als Krankenschwester/Krankenpfleger 

Ausgangssituation: Im Ausland wurde eine Ausbildung als Krankenschwester oder als Krankenpfleger absolviert. Jetzt geht es darum, diese Ausbildung in Deutschland anzuerkennen. Dies ist erforderlich, da der Beruf „Krankenschwester“ bzw. „Krankenpfleger“ ein reglementierter Beruf ist. Damit in Deutschland als Krankenschwester oder Krankenpfleger gearbeitet werden kann, ist eine formale Prüfung und Anerkennung der im Ausland erworbenen Ausbildung zwingend erforderlich. Konkret nachgewiesen werden muss ein theoretischer und praktischer Unterricht im Umfang von 2.100 Stunden sowie eine praktische Ausbildung im Umfang von 2.500 Stunden.

Für die Antragstellung benötigte Dokumente:

  • Antrag auf Erteilung der Erlaubnisurkunde (~ Antragsformular)
  • Ausbildungsnachweise der Ausbildungsstätte mit Angaben zu…
    • Dauer der Ausbildung
    • Anzahl der theoretischen Unterrichtsstunden
    • Anzahl der praktischen Unterrichtsstunden
    • Art der praktischen Ausbildung
  • Abschlusszeugnis der Ausbildung (Diplom, Zertifikat, Urkunde)
  • Prüfungszeugnisse
  • Arbeitszeugnisse
  • Lebenslauf
  • Nachweis über Deutsch-Kenntnisse (B2-Level)
  • Geburtsurkunde
  • Heiratsurkunde
  • Aktuelle Meldebescheinigung
  • Fotokopie des Passes (Aufenthalts-, Arbeitserlaubnis)
  • Weitere Unterlagen
    • Führungszeugnis der Belegart „O“
    • Führungszeugnis aus dem Heimatland

Bitte beachten:

Voraussetzung für eine Anerkennung von Ausbildungen bzw. Berufen im Bereich der Gesundheitsfachberufe:

1. Nachweis von Deutsch-Kenntnissen auf dem Niveau B2.
2. Alle fremdsprachigen Dokumente müssen von einem amtlich beglaubigten und vereidigten Dolmetscher übersetzt sein.

Hinweis: Beeidigte Dolmetscher in Baden-Württemberg findet man unter www.justiz-dolmetscher.de. Mit der Übersetzung von Dokumenten können hohe Kosten verbunden sein.

Die Kosten für die Anerkennung liegen derzeit bei 150€.

Die zuständige Stelle für die Antragstellung ist:

Regierungspräsidium Stuttgart
Referat 92
Nordbahnhofstraße 135
70191 Stuttgart

Die dortigen Ansprechpartnerinnen:
– Herr Fitzl (für die Buchstaben A-K): Telefon 0711 904 / 39221; E-Mail: andreas.fitzel@rps.bwl.de
– Frau Mann (für die Buchstaben L-Z): Telefon 0711 904 / 39207; E-Mail: melanie.mann@rps.bwl.de

Die telefonischen Sprechzeiten:
– Montags bis Freitags, 9-11.30 Uhr
– Donnerstags, 14-15.30 Uhr

Eine Alternative zur Anerkennung als Krankenschwester bzw. Krankenpfleger ist eine Anerkennung als Krankenpflegehelferin bzw. Krankenpflegehelfer. In diesem Fall sind die zu erbringenden Nachweise typischerweise weniger hart. Lässt man sich allerdings als Krankenpflegehelferin bzw. Krankenpflegehelfer anerkennen, verliert man dadurch dauerhaft den Anspruch auf eine eventuelle spätere Anerkennung als Krankenschwester bzw. als Krankenpfleger.


Fallbeispiel: Anerkennung eines Schweißer-Scheins (~ Sachkundenachweis)

Manchmal hat eine Person im Ausland „nur“ eine vergleichsweise kurze Ausbildung bzw. Lehrgänge absolviert. Die Dauer der Ausbildung bzw. des Lehrgangs beträgt in diesem Fall meist nur wenige Monate. Eine Anerkennung als Beruf ist in einem solchen Fall typischerweise nicht möglich.

Aber: Es besteht eventuell die Möglichkeit den Kurs bzw. die Qualifikation als Sachkundenachweis anzuerkennen. Voraussetzung: der erfolgreiche Abschluss der Ausbildung bzw. der Lehrgang kann durch ein entsprechendes Zertifikat nachgewiesen werden. Das bedeutet, dass der Person die entsprechende Ausbildung bzw. der Lehrgang erlassen wird. Wobei die Person aber trotzdem und in jedem Fall eine Prüfung absolvieren muss, um einen Sachkundenachweis zu erhalten.

Beispiel: Die Person hat im Ausland, z. B. in Gambia, einen 9-monatigen Kurs „Wedding & Fabrication“ (~ Schweißen und Fertigung) absolviert. Dies entspricht am ehesten dem deutschen Schweißer-Schein. Mit einem entsprechenden Nachweis kann der Person unter Umständen die mit dem Erwerb des Schweißer-Scheins verbundene Ausbildung erlassen werden. Eine Prüfung muss die Person aber in jedem Fall absolvieren. Diese umfasst beim Schweißer-Schein praktische Anteile als auch theoretische Fragen. Gute deutsche Sprachkenntnisse sind also notwendig. Besteht die Person diese Prüfung, bekommt er einen Sachkundenachweis.

Was ist ein Sachkundenachweis?

Bei einem Sachkundenachweis handelt es sich um einen Nachweis, bei dem grundlegende theoretische Kenntnisse und/oder praktische Fähigkeiten auf einem speziellen Gebiet nachgewiesen werden. Die Prüfungen werden abhängig von der Art des Sachkundenachweises zum Beispiel von Sachverständigen oder dafür zertifizierten Bildungs-, Qualifizierungs- oder Prüfungsinstitutionen abgenommen. Es handelt sich hierbei nicht um einen Beruf im Sinne des deutschen Rechts. Entsprechend kann bei Sachkundenachweisen keine Referenzqualifikation identifiziert werden und kein Gleichwertigkeitsfeststellungsverfahren beantragt werden. Beispiele für Sachkundenachweise sind: Schweißerschein, Gabelstaplerschein, Schein zum Transport von Gefahrgütern oder dem Verkauf von Arznei- oder Pflanzenschutzmitteln. Sachkundenachweise existieren in unzähligen Bereichen und Branchen als Voraussetzung dafür, eine spezielle berufliche Tätigkeit ausüben zu dürfen.


Wichtige Hinweise für Berufsanerkennungen

  • Alle Unterlagen müssen in Form beglaubigter Kopien eingereicht werden. Man sollte auf keinen Fall Originaldokumente einreichen (eingereichte Unterlagen werden grundsätzlich nicht zurückgeschickt). Kopien sind nur dann amtlich beglaubigt, wenn ein Originalstempel bescheinigt, dass die Kopie mit dem Originaldokument übereinstimmt. Amtliche Beglaubigungen erhält man bei staatlichen Ämtern (also bei Rathäusern, Landratsämtern, Schulen) oder bei NotarenDie Erstellung beglaubigter Kopien aller relevanten Dokumente ist deswegen in jedem Fall der erste erforderliche Schritt.
  • Unterlagen die nicht auf Deutsch ausgestellt sind müssen amtlich übersetzt werden. Davon ausgenommen sind einzig allgemein bildende Sekundarschulzeugnisse in englischer oder französischer SpracheAmtliche Übersetzungen dürfen nur vereidigte Übersetzer vornehmen. Beeidigte Dolmetscher in Baden-Württemberg findet man unter www.justiz-dolmetscher.de. Mit der Übersetzung von Dokumenten können hohe Kosten verbunden sein.