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Anerkennung von Hochschulabschlüssen

Grundsätzlich muss unterschieden werden, ob ein ausländischer Hochschul-Abschluss (~ Fall 1) oder ein an einer ausländischen Hochschule verliehener Hochschul-Titel  wie z. B. ein Doktortitel (~ Fall 2) anerkannt werden soll. Je nach Fall unterscheiden sich Ansprechpartner und Vorgehensweisen.

Was soll anerkannt werden?

Was soll anerkannt werden?

1. Anerkennung von Hochschul-Abschlüssen aus dem Ausland

Für die Anerkennung von Hochschulabschlüssen aus dem Ausland ist die Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen in Bonn (ZAB) zuständig. Zu beachten ist: Tatsächlich werden ausländische Hochschulabschlüsse gar nicht erkannt, sondern bewertet.

Wichtiger Hinweis: Grundsätzlich muss  unterschieden werden zwischen nichtreglementierten  und reglementierten (Studien-)Berufen. Bei letzterem ist das Führen einer Berufsbezeichnung an bestimmte Verwaltungsvorschriften gebunden und es muss ein offizielles Anerkennungsverfahren durchlaufen werden. Eine Zeugnisbewertung der ZAB ist für nichtreglementierte (Studien-)Berufe gedacht. Für die offiziellen Anerkennungsverfahren für reglementierte (Studien-)Berufe sei auf den Bereich „Berufsanerkennung“ auf dieser Webseite verwiesen.

Eine Zeugnisbewertung der ZAB ist ein offizielles Dokument, mit dem eine ausländische Hochschulqualifikation beschrieben und berufliche und akademische Verwendungsmöglichkeiten bescheinigt werden. Eine Zeugnisbewertung der ZAB soll den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt mit einer ausländischen Hochschulqualifikation erleichtern. Sie ist eine somit vergleichende Einstufung, nicht jedoch eine Anerkennung!

Eine wichtige Voraussetzung: Die ausländische Qualifikation muss an einer Institution oder Hochschule erworben worden sein, die nach den maßgeblichen Kriterien des Herkunftslandes als Hochschule anerkannt ist. Dies kann über die Datenbank ANABIN (Ist eine ausländische Hochschule in Deutschland anerkannt?) geprüft werden. Besitzt die entsprechende Hochschule den Status H+, ist eine Zeugnisbewertung durch die ZAB zumeist problemlos möglich. Beim Status H oder H- ist eine vorherige Rücksprache mit der ZAB zu empfehlen bzw. notwendig.

Die Zeugnisbewertung der ZAB nennt den deutschen Bildungsabschluss dem der bewertete ausländische Abschluss vergleichbar ist und informiert zusätzlich über Möglichkeiten der Fortsetzung des Studiums, über die Rechtsgrundlagen der Gradführung und über die Verfahren zur beruflichen Anerkennung. Aus der Bescheinigung lassen sich keine Rechtsansprüche ableiten.

Die ZAB stellt Zeugnisbewertungen für Hochschulabschlüsse aus allen Staaten der Welt aus. Für nicht abgeschlossene Hochschulausbildungen sowie für Ausbildungen, die nicht dem Hochschulbereich zuzuordnen sind, stellt die ZAB keine Bescheinigungen aus.

Welche Dokumente sind konkret bei der ZAB einzureichen? Dies variiert von Land zu Land. Eine Zusammenstellung für viele verschiedene Länder findet sich hier.

Für eine Zeugnisbewertung werden folgende Gebühren erhoben:

  • 200 € für die Ausstellung einer (ersten) Bescheinigung.
  • 100 € für die Ausstellung jeder weiteren Bescheinigung.
  • 100 € für die erneute Ausstellung einer Bescheinigung (z.B. im Fall des Verlusts).
  • Eine Gebührenbefreiung ist laut Gebührenverordnung nicht möglich.
  • In Einzelfällen übernehmen Jobcenter/Arbeitsagenturen die Kosten.

Die Ausstellung bzw. Bearbeitung einer Zeugnisbewertung dauert maximal drei Monate – ab dem Zeitpunkt zu dem alle benötigten Unterlagen vorliegen sowie die Gebühr bezahlt wurde.

Kontaktdaten für Rückfragen:

E-Mail: emailzabservice@kmk.org
Telefonische Sprechzeiten: Mo, Di und Do (10.00 – 12.00 Uhr) unter 0228 501-664


Spezialfall Syrien: Für Abschlüsse die nach 2 oder 3 Jahren erworben wurden (Musaid Mudjaz; Assistent eines Lizenziaten & Diplom tiqani; Technikerdiplom) kann keine Zeugnisbewertung ausgestellt werden. Eine Zeugnisbewertung kann für Idjaza-Abschlüsse (von anerkannten Hochschulen) mit einer Studiendauer von mindestens 4 Jahren ausgestellt werden.


2. Anerkennung von Hochschul-Titeln aus dem Ausland

Für die Anerkennung von Hochschul-Titeln aus dem Ausland (Dr. / Professor / Ehrendoktor) ist das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK) Baden-Württemberg (Königstraße 46, 70173 Stuttgart) zuständig. Tatsächlich geht es aber auch hier nicht um eine Anerkennung, sondern um eine Beurteilung dazu, wie ein ausländischer Titel in Deutschland geführt werden darf. Eine echte Umwandlung akademischer ausländischer Grade in einen deutschen Titel ist nur für Spätaussiedler möglich. Die Beurteilung von Hochschule-Titeln durch das MWK ist kostenlos.

Für eine Prüfung müssen amtlich beglaubigte Kopien folgender Dokumente  formlos eingereicht werden:

  • Promotionsurkunde arabisch/deutsch (ggf. englisch)
  • Abschlusszeugnis des letzten Bildungsabschlusses vor der Promotion arabisch/deutsch (ggf. englisch)
  • Kopie des Passes
  • Tabellarischer Lebenslauf

Die Dauer einer Prüfung beträgt 6-9 Monate.

Grundsätzlich muss unterschieden werden zwischen Berufsdoktoraten und Doktoraten.

Berufsdoktorate werden in vielen Ländern automatisch mit dem Abschluss bestimmter Hochschulstudiengänge erworben. Diese so genannten Berufsdoktorate müssen ein offizielles Anerkennungsverfahren durchlaufen. Erst danach darf man den die Berufsbezeichnung „Dr.“ führen.

Bei einem Doktorat handelt es sich um ein eigenständiges wissenschaftliches Promotionsstudium aufbauend auf einem vorausgegangenen Magister oder Masterstudiengang. Die Gradführung „Dr.“ ist unter bestimmten Voraussetzungen auch ohne Herkunftsbezeichnung möglich.

Im Zweifelsfall ist es immer ratsam, Rücksprache mit dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg zu halten. Zuständige Ansprechpartnerinnen sind:

Buchstabe A-K: 0711 – 2793016; E-Mail: gerlinde.krauter@mwk.bwl.de (Fr. Krauter)
Buchstabe L-Z: 0711 – 2793147; E-Mail: brigitte.goerich @mwk.bwl.de (Fr. Göhrich)

3. Für die erste Eigenrecherche: Die ANABIN-Datenbank

Für die Anerkennung ausländischer Qualifikationen müssen – je nach Ziel – eine Vielzahl unterschiedlicher Fragen beantwortet werden. Es empfiehlt sich vor einem konkreten Antrag zur ZAB-Zeugnisbewertung oder vor einer konkreten Anfrage zur Anerkennung eines Hochschul-Titels zunächst erste Informationen über die Datenbank ANABIN zu sammeln. Typische Fragen bei deren Beantwortung die Datenbank ANABIN helfen kann sind:

Wie werden ausländische Hochschulabschlüsse in Deutschland bewertet?

Ist eine ausländische Hochschule in Deutschland anerkannt?

4. Eine tolle Sache – die Bildungsberatung Garantiefonds Hochschule

Die Bildungsberatung „Garantiefonds Hochschule“ berät junge Zuwanderinnen und Zuwanderer, die in Deutschland die Hochschulreife erwerben, ein Hochschulstudium aufnehmen oder eine akademische Laufbahn fortsetzen möchten. Man muss allerdings jünger als 30 Jahre alt sein.

Konkret beraten werden zugewanderte Sekundarschulabsolvent/-innen (einschließlich der Absolventen von mindestens 10 aufeinanderfolgenden Schuljahren im Herkunftsland), Studierende (in der Regel mit einer im Herkunftsland unterbrochenen Hochschulausbildung) und Akademiker/-innen, die eine akademische Laufbahn in Deutschland aufnehmen oder fortsetzen möchten.

Gemeinsam mit den Ratsuchenden entwickelt die Beratung einen individuellen Ausbildungsplan. Kandidatinnen und Kandidaten mit entsprechenden Voraussetzungen können zwecks Erwerb der Hochschulreife und/oder notwendiger Sprachkenntnisse sowie in Praktika zur Vorbereitung auf eine akademische Erwerbstätigkeit nach den Richtlinien Garantiefonds Hochschulbereich gefördert werden.

Ansprechpartnerinnen für eine Bildungsberatung in Baden-Württemberg sind Frau Stockum (Bildungsberatung GF-H beim JMD der AWO Stuttgart, Olgastr. 63, 70182 Stuttgart, 0711 2106119, E-Mail: ingeborg.vonstockum@awo-stuttgart.de) und Frau Schaefer-Vischer (Bildungsberatung GF-H beim JMD der IN VIA Stuttgart, Olgastr. 62, 70182 Stuttgart, 0711 24893119, E-Mail: i.schaefer-vischer@invia-drs.de). Eine Übersicht aller Ansprechpartner in Deutschland findet sich hier.