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Anerkennung von Schulabschlüssen

AKTUELLER HINWEIS: Die Kultusminister der 16 Bundesländer haben sich darauf verständigt, wie es Flüchtlingen ermöglicht werden kann, auch ohne ausreichende Dokumente in Deutschland zu studieren. In dem von der KMK beschlossenen Verfahren sollen zunächst die persönlichen Voraussetzungen geprüft werden, etwa zum Asyl- oder Aufenthaltsstatus eines studierwilligen Flüchtlings. Dann soll der Bewerber seine Bildungsbiografie offenlegen. So soll er plausibel machen, dass er aus seiner Heimat Voraussetzungen mitbringt, um in Deutschland zu studieren. Schließlich soll es in Zweifelsfällen eine Art Test geben – konkreter wurde die KMK dazu nicht. Falls Originaldokumente wie Abiturzeugnis oder Studienbescheinigungen nicht mehr vorhanden sind, soll es auch ausreichen, eine beglaubigte Kopie, mit der indirekt die behauptete Hochschulzugangsberechtigung belegt wird, vorzulegen.


Grundsätzlich muss unterschieden werden, ob die Anerkennung und Bewertung des Bildungsnachweises (also des anzuerkennenden Zeugnisses) für eine Aus- oder Weiterbildung (~ Fall 1), eine Beschäftigung (~ Fall 2) oder ein Studium an einer baden-württembergischen Hochschule (~ Fall 3) benötigt wird.

Wofür wird die Anerkennung benötigt?


 1. Fall 1 & 2: Anerkennung für Aus-/Weiterbildungen oder Beschäftigungen

Für die Fälle 1 (~ Aus-/Weiterbildung) und 2 (~ Beschäftigung) wendet man sich an das Regierungspräsidium in Stuttgart. Konkret erfolgt die Anerkennung und Bewertung von Bildungsnachweisen (also Schulzeugnissen) aus dem Ausland in Baden-Württemberg durch die Zeugnisanerkennungsstelle in Abteilung 7. Die Webseite der Zeugnisanerkennungsstelle ist auch auf englisch verfügbar. Auf der Webseite sind Ansprechpartner mit Telefonnummern genannt. Die E-Mail-Adresse der Zeugnisanerkennungsstelle für Rückfragen lautet: anerkennungsstelle@rps.bwl.de.

Die Zeugnisanerkennungsstelle prüft schulische Bildungsnachweise, die im Ausland erworben wurden, vergleicht diese mit schulischen Bildungsabschlüssen aus Baden-Württemberg (z.B. Hauptschulabschluss, Realschulabschluss, Fachschulreife, Fachhochschulreife, Hochschulreife) und stellt dann auch Bescheinigungen über deren Gleichwertigkeit aus.

Die Zeugnisanerkennungsstelle ist nur dann zuständig, wenn die Person deren Bildungsnachweis geprüft und anerkannt werden soll ihren Wohnsitz in Baden-Württemberg hat oder – falls noch kein offizieller Wohnsitz existiert -, wenn die entsprechende Person sich für eine Aus- oder Weiterbildung oder eine Beschäftigung bewerben möchte.

Das offizielle Antragsformular und alle relevanten Dokumente (vgl. Webseite der Abteilung 7 im Abschnitt „So stellen Sie einen Antrag bei uns“) müssen auf dem Postweg eingereicht werden bei:

Regierungspräsidium Stuttgart
Schule und Bildung
Anerkennungsstelle
Postfach 103642
70031 Stuttgart

Die Bearbeitungszeit beträgt in der Regel ca. 4 Wochen.

Im Falle der Anerkennung (positiver Bescheid) fällt eine Bearbeitungsgebühr von 100,00 € an (dem Anerkennungsbescheid liegt ein Überweisungsträger bei). Bei geringem Einkommen können die Gebühren erlassen werden. Will man eine Gebührenbefreiung beantragen, muss man die folgenden Unterlagen ergänzen: Einkommensnachweise in geeigneter Form (maßgeblich ist das Familieneinkommen) und ein Nachweis über die Anzahl der Familienmitglieder.


 2. Fall 3: Anerkennung für Studium

Im Falle dass ein Studium an einer baden-württembergischen Hochschule (Fall 3) angestrebt wird, reichen Studienbewerber ohne deutsche Staatsangehörigkeit, die im Ausland einen Hochschulzugang erworben haben, ihre Unterlagen (also z. B. Schulzeugnisse) abhängig von der gewünschten Hochschulart ein:

Für Universitäten: Einreichung direkt bei der Universität der Wahl.

Für Fachhochschulen: Einreichung bei der zentralen Zeugnisanerkennungstelle der Hochschule Konstanz.

Für die Duale Hochschule Baden-Württemberg: Einreichung bei der zentralen Zeugnisanerkennungsstelle der DHBW.

Wichtige Voraussetzung für eine Bewerbung an einer deutschen Hochschule (Universität, Fachhochschule oder DHBW) ist ein Nachweis der deutschen Sprache. Akzeptiert wird TestDaF-Nachweis (mit mindestens 16 Punkten) oder ein DSH-Nachweis (mindestens DSH-2).

Die nachfolgende Abbildung zeigt die grundsätzliche Vorgehensweise:

Vorgehensweise für die Aufnahme eines Studiums

* abhängig von der gewünschten Hochschulart

Wichtig: Ob ein im Ausland erworbener Schulabschluss für ein Hochschulstudium in Deutschland berechtigt, kann über die Datenbank ANABIN (Bereich „Schulabschlüsse mit Hochschulzugang“) geprüft werden.

Dazu ein Beispiel:

Nehmen wir an Stephen kommt aus Gambia. Er hat dort eine Secondary School besucht und diese erfolgreich abgeschlossen. Er ist jetzt nach Deutschland geflohen und möchte hier studieren. Deswegen ruft er die ANABIN-Datenbank auf und sucht nach seinem Abschluss aus Gambia.  Tatsächlich findet er so über die Datenbank heraus, dass er für ein Studium an einer deutschen Hochschule ein „West African Senior School Certificate“ (WASSC) benötigt. Das WASSC muss fünf voneinander unabhängige, allgemeinbildende Fächern ausweisen (jeweils mit einer Note), darunter zwei Sprachen und ein mathematisch-naturwissenschaftliches Fach bei höchstens zweimaliger Teilnahme an der „Senior School Examination“. Bewerber mit Studienwunsch außerhalb der Geisteswissenschaften brauchen unter den fünf voneinander unabhängigen allgemeinbildenden Fächern nur eine Sprache nachzuweisen.


 3. Wichtige allgemeine Hinweise

  • Alle Unterlagen müssen in Form beglaubigter Kopien eingereicht werden. Man sollte auf keinen Fall Originaldokumente einreichen (eingereichte Unterlagen werden grundsätzlich nicht zurückgeschickt). Kopien sind nur dann amtlich beglaubigt, wenn ein Originalstempel bescheinigt, dass die Kopie mit dem Originaldokument übereinstimmt. Amtliche Beglaubigungen erhält man bei staatlichen Ämtern (also bei Rathäusern, Landratsämtern, Schulen) oder bei Notaren. Die Erstellung beglaubigter Kopien aller relevanten Dokumente ist deswegen in jedem Fall der erste erforderliche Schritt.
  • Unterlagen die nicht auf Deutsch ausgestellt sind müssen amtlich übersetzt werden. Davon ausgenommen sind einzig allgemein bildende Sekundarschulzeugnisse in englischer oder französischer SpracheAmtliche Übersetzungen dürfen nur vereidigte Übersetzer vornehmen. Beeidigte Dolmetscher in Baden-Württemberg findet man unter www.justiz-dolmetscher.de. Mit der Übersetzung von Dokumenten können hohe Kosten verbunden sein.

 4. Bildungsberatung Garantiefonds Hochschule

Die Bildungsberatung „Garantiefonds Hochschule“ berät junge Zuwanderinnen und Zuwanderer, die in Deutschland die Hochschulreife erwerben, ein Hochschulstudium aufnehmen oder eine akademische Laufbahn fortsetzen möchten. Man muss allerdings jünger als 30 Jahre alt sein.

Konkret beraten werden zugewanderte Sekundarschulabsolvent/-innen (einschließlich der Absolventen von mindestens 10 aufeinanderfolgenden Schuljahren im Herkunftsland), Studierende (in der Regel mit einer im Herkunftsland unterbrochenen Hochschulausbildung) und Akademiker/-innen, die eine akademische Laufbahn in Deutschland aufnehmen oder fortsetzen möchten.

Gemeinsam mit dem Ratsuchenden entwickelt die Bildungsberatung einen individuellen Ausbildungsplan. Kandidatinnen und Kandidaten mit entsprechenden Voraussetzungen können zwecks Erwerb der Hochschulreife und/oder notwendiger Sprachkenntnisse sowie in Praktika zur Vorbereitung auf eine akademische Erwerbstätigkeit nach den Richtlinien Garantiefonds Hochschulbereich gefördert werden.

Ansprechpartnerinnen für eine Bildungsberatung in Baden-Württemberg sind Frau Stockum (Bildungsberatung GF-H beim JMD der AWO Stuttgart, Olgastr. 63, 70182 Stuttgart, 0711 2106119, E-Mail: ingeborg.vonstockum@awo-stuttgart.de) und Frau Schaefer-Vischer (Bildungsberatung GF-H beim JMD der IN VIA Stuttgart, Olgastr. 62, 70182 Stuttgart, 0711 24893119, E-Mail: i.schaefer-vischer@invia-drs.de). Eine Übersicht aller Ansprechpartner in Deutschland findet sich hier.